Gut essen in Palma auf Mallorca

Schwarzer Reis in Palmas neuem Gastrodock

Der Name ist trendy, der Ort einzigartig: Muelle 327 Gastrodock heißt das Restaurant direkt an der Pier im frisch renovierten, kleinen Hafen Calanova. Der wiederum liegt in Palmas Stadtteil Sant Agustí, das nach den Fischervierteln Portixol und Santa Catalina gerade auf dem Weg zum nächsten In-Viertel der Mallorca-Hauptstadt ist. Das Muelle 327 jedenfalls ist schon mal ein ziemlich cooler Spot, inklusive Terrasse und einer Skybar, von der man nicht nur bis zum Horizont über das Mittelmeer, sondern auch auf die nahegelegene Sommerresidenz Marivent („Meer und Wind“) des spanischen Königs blicken kann. Vis-à-Vis mit Majestät sozusagen. Gerade recht zum Durchatmen, Entspannen und Genießen. Jenseits von Lärm und Autoverkehr.

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Andalusien trifft Mallorca
Am Herd steht Verwöhnkünstler Daniel „Dani“ Dorantes. Der Mann kommt aus Sevilla, hat vor fünf Jahren auf der Insel eine neue Heimat gefunden. Und was der 33-jährige Koch zum Mittagessen auftischt, ist nicht nur schön präsentiert, sondern – viel wichtiger – zum Fingerablecken gut. Es fängt schon mit dem Aioli an, das zu selbst gebackenem Brot gereicht wird. Dann kommen goldbraune Kroketten auf die Teller. Klar, ein spanischer Tapas-Klassiker. Aber wie immer kommt es darauf an, wie sie zubereitet sind. Diese jedenfalls sind außen knusprig, innen cremig-fluffig, mit feinem, intensivem Geschmack. Für alle, die frittierte Röllchen mögen, besteht hier akute Suchtgefahr …

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i-Tüpfelchen aus „gutem Kraut“
Da kommt Dorantes auch schon aus seinem Küchenreich geeilt, um zu fragen, ob es denn auch mundet. Er lacht dabei verschmitzt. Er kennt die Antwort. Denn er weiß genau, dass ihm damit ein kleiner Coup gelungen ist: „Die Füllung ist so köstlich, weil sie aus zwölf verschiedenen Fleischarten besteht: vom Huhn, von der Pute, vom Rind, dazu verschiedene Teile vom Schwein …“ Dazu tragen sie ein Häubchen aus Hierbabuena, einer Minzeart mit dem schönen Namen „gutes Kraut“, die für Pfiff und ganz nebenbei für den Frischefaktor sorgt.

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Die nächsten Häppchen lassen nicht lange auf sich warten: Jetzt sind Bacalao-Kroketten dran, Buñuelos de bacalao. Ich bin kein allzu großer Freund von Kabeljau. In dieser Form allerdings sind sie sehr gelungen. Was daran liegt, dass sie nicht nur wieder mit einer Minzenote abgeschmeckt sind, sondern auch von einer Knoblauch-Honig-Emulsion begleitet werden.

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Zwei auf einen Streich
Schon kommt Dorantes Lieblingsgericht auf den Tisch, mit einer typischen Mallorca-Spezialität: Cannelloni, die mit Spanferkel gefüllt sind. Natürlich nicht mit irgendeinem, sondern vom einheimischen, schwarzen Schwein. Doch Dorantes wäre nicht Dorantes, wenn die Speise nicht einen weiteren Clou zu bieten hätte. Denn er kombiniert dazu ein geschmeidiges Sößchen aus Sobrassada, der Insel-Delikatesse Nummer zwei: Paprikawurst. Versteht sich, dass die Pasta al dente ist, das Innere indes so weich, dass es auf der Zunge zergeht. Ein Gedicht, dem der Safran aus Japan noch die Krönung aufsetzt.

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Am Ende tischt „Dani“ zum Cortado, Espresso mit einem Schuss Milch, noch hausgemachten Kuchen aus drei Käsesorten aus: Blauschimmelkäse, Philadelphia und Frischkäse aus Burgos hat er dafür verwendet. Prädikat: raffiniert variiert.

Klein & köstlich
Die Karte der Hauptgerichte im Muelle 327 ist klein, der Schwerpunkt liegt auf tagesfrischem Fisch und Reisgerichten wie Paella oder Arroz. Und die werden teilweise mit ungewöhnlichen Zutaten gekocht. Da kann sich zu den weißen Körnern zum Beispiel schon mal Foie gras zum Tintenfisch gesellen. Oder Ochsenschwanz zu Rinderbäckchen. Jedenfalls sind die Reiskreationen so lecker, dass man vor Wonne die Augen verdrehen möchte. Wer Lust auf Paella hat, kann sie – anders als in vielen anderen Lokalen – auch als Einzelperson bestellen.

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Sangria mit Hibiskus und Ingwer
Die Auswahl an Weinen ist mit rund 40 Referenzen ebenfalls ordentlich, darunter sind neben vielen mallorquinischen Tropfen solche vom spanischen Festland. Diese werden auch glasweise ausgeschenkt, zu Preisen zwischen 3,50 und 4,50 Euro. Wer etwas Besonderes feiern möchte, kann Champagner bestellen, ab 48 Euro die Flasche. Und dann ist da noch der besondere Mix: Sangria. Die Rotwein-Variante ist beispielsweise mit einem Hauch Vanille oder Zimt abgeschmeckt. Mit einem prickelnden Rosé-Frizzante als Basis perlt er samt Hibiskus und Ingwer in der Karaffe. Oder in der weißen Version mit Cava und Orange (20 bis 24 Euro).

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Frühstück in der Himmels-Bar
Wer es gar nicht erwarten kann, genießt schon das Frühstück Open air in der Skybar mit Coissant, Konfitüren- und Tomaten-Toast, oder noch – herzhafter – mit einem Omelett. Dazu vielleicht ein frisch gepresster Orangensaft zum Kaffee?

Die Mischung der Gäste ist bunt. Skandinavier, Briten, Deutsche, Geschäftsleute, Genießer… Besonders an den Wochenenden sind es die Mallorquiner, die mit ihren Familien im Muelle 327 einkehren. Für Kinder ist der Hafen ein kleines Paradies: Abseits der Straße können sie nach Herzenslust herumtoben.

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Zimmer mit Wassersport
Für alle, die eine Location für Events suchen, steht der ganze Komplex offen. Denn die Besitzerfamilie Elvira aus Madrid hat gleich einen Saal für bis zu 120 Personen mitgebaut, für Banketts etwa. Dazu stehen neun flexible gestaltbare Konferenzräume für zehn bis 125 Personen zur Verfügung. „Wir wollten einfach etwas Multifunktionales schaffen, das ganz unterschiedliche Bedürfnisse befriedigt“, erläutert Felipe Elvira das Konzept. Alles ist modern und stylisch gestaltet, von Felipe höchstpersönlich. Ist er Interieur-Designer? „Nein“, sagt der 32-Jährige, „damit hatte ich nie zu tun, das war Intuition.“ Zum Hafen-Anwesen gehört auch die so genannte „Sports Residence“. Ganz bewusst wurde dieser Namen gewählt, da ein kompletter Hotel-Service fehlt.

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Gutes Angebot
Dafür aber ist in bester Lage ein Doppelzimmer ab 100 Euro zu buchen, inklusive Frühstück – und allen Wassersport-Aktivitäten. Gäste können kostenlos und so oft sie wollen ausleihen, was sie lustig sind: Kajak, Surfbrett, SUP-Board, Segelboot, … Und wer eine der Sportarten lernen will, für den stehen Lehrer zur Verfügung. Alle anderen genießen einfach das besondere Flair am Meer, springen in den Pool oder relaxen am kleinen Strand Cala Nova, direkt nebenan.

Port Calanova steht übrigens allen offen. Jeder kann das ausleihen, was er gerade braucht, wenn er auf dem Wasser unterwegs sein will.

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Info:
Av. de Joan Miró 327
Palma, Mallorca

+34  971-59 95 77

muelle327.com
portcalanova.com

Fotos: Nando Esteva, Kirsten Lehmkuhl