Tafeln im Weinfeld

Ibiza: Tafeln im Weinfeld

Haben Sie schon mal inmitten eines Weinfeld zwischen Tempranillo und Monastrell ein Fünf-Gänge-Menü gekostet? An einem gedeckten Tisch, mit schönem Porzellan und feinen Gläsern, mit Aperitif, Digestif und perfektem Service? Ich auch nicht. Aber alles ist irgendwann das erste Mal. Und so mitten in der Natur an einem langen, liebevoll gedeckten Tisch gemeisam zu tafeln – das hatte was.

 

Tafeln im Weinfeld

Es war mal wieder eine dieser wunderbar-verrückten, kulinarischen Ideen vom Chefredakteur des Insel-Magazins IbizaHEUTE, Dieter Abholte, die uns Open-air zwischen Weinstöcken hat speisen lassen. Einfach die richtigen Partner aussuchen, den richtigen Ort (bei Son Mateu) wählen und die Leser animieren mitzumachen – schon geht’s los.

Tafeln im Weinfeld

 

Den Auftakt machten Ravioli vom Rinderbäckchen in leichter Rinder-Consomé mit Olivenöl-„Erde“. Als zweite Vorspeise ließ Wolfgang Lettner, Chef vom Restaurant Casa Colonial, vanillierte Jakobsmuscheln und Pulpositzen vom Grill mit einem Jus vom grünen Tee und dem Kräuterschnaps Hierbas Ibicencas auftischen.

Tafeln im Weinfeld

Tafeln im Weinfeld

Tafeln im Weinfeld

Dem folgte ein Gurkensorbet mit Gin, um ein wenig den Gaumen zu erfrischen und auf das Hauptgericht vorzubereiten. Denn das hatte danach seinen großen Auftritt mit einen bei Niedrigtemperatur gegarten Filet vom Ibérico-Schwein mit Gemüsestrudel, Süßkartoffelpüree und einem Schäumchen vom Ibizkus-Weißwein. Den süßen Abschluss bildete ein Flan von der Insel. Lecker!

Tafeln im Weinfeld

Dazu leuchteten die Weine der Insel-Bodega Ibizkus im Glas, von weiß über rosé bis rot. Und ein Tinto war darunter, der durchaus als Besonderheit gelten kann. Obwohl, oder vielleicht weil er so einfach und authentisch ist.  Ein Wein aus dem Jahr 2012, einer von der ganz ursprünglichen Sorte: Denn die Trauben dafür stammen von Rebstöcken mit so genanntem „pie franco“. So bezeichnet man den Fuß von Weinpflanzen und deren Nachkommen, die im 19. Jahrhundert die große Reblausplage überstanden haben. Wenn man so will, sind das regelrechte Ur-Gewächse, die Seltenheitswert haben, weil sie in Europa in nur wenigen Gebieten anzutreffen sind. Bezeichnenderweise sind sie vornehmlich auf kleinen Inseln zu finden. Dorthin nämlich konnte die unersättliche Reblaus nicht so leicht gelangen. Formentera gehört unter anderem zu diesen prädestinierten Orten, Sardinien und eben auch Ibiza. Die Inseln hatten in dieser Hinsicht Glück, ihre Jahrhunderte alte Weinbautradition kam damals nicht so jäh zum Erliegen wie fast überall im Rest Europas.

Tafeln im Weinfeld

Mit der Folge: Dass Rebstöcke mit einem amerikanischen, schädlings-resistenten Fuß gepflanzt wurden und darauf dann die verschiedenen Rebsorten aufgepfropft wurden.

Klar, dass man so einen besonderen Tropfen ganz besonders genießt. Und wenn man dann noch erfährt, dass die Trauben nach der Lese wie anno dazumal mit den Füßen gepresst worden sind, schmeckt er gleich noch mal so gut. Vor allem, weil Weingut-Chef Joseph Gilles Costa beruhigte: „Mit gewaschenen Füßen, versteht sich!“ Reine Fußarbeit sozusagen.