Ziegenyoga Österreich

Essig, Wein & Ziegenyoga

Sissi ist unerschrocken. Sie schnuppert an Haarspangen, knabbert an großen Zehen, tritt auf Matten. Und macht so ziemlich, was sie will. Schließlich ist sie eine Ziege, und Ziegen haben ihren ganz eigenen Kopf. Und wenn andere mitten auf der Wiese Yoga machen wollen,  bitte sehr. Das stört sie nicht weiter. Manchmal macht sie sogar mit.  „Ihr könnt sie wegscheuchen, wenn sie euch stören“, ruft Christina Goritschnig und lacht. „Sie verstehen das, sie sind sehr sensibel!“

Ziegenyoga Österreich

Aber keiner verjagt die Tiere. Schließlich verbiegt man sich nicht so oft auf 850 Meter Höhe im Kärntener Land mitten zwischen Hahnenklee und Pusteblumen. Und in Gesellschaft von Sissi, Maja, Mini und Alicia schon gar nicht. Das sind die Namen der Bunten Edelziegen, mit denen Christina Goritschnig „Ziegenyoga“ anbietet.

Modesport aus den USA

Der Trend kommt aus den USA. Die junge Österreicherin und zwei Kolleginnen haben das Potenzial erkannt und bieten erstmals in Europa diese Form des Yogas an, unter anderem in Kärnten. Warum soll man Übungen wie „Kobra“ oder den „hinabschauenden Hund“ ausgerechnet mit Ziegen unter freiem Himmel machen? Weil es lustig ist. Weil sie jede Situation auflockern. Weil dahinter ein interessantes Konzept steht. Die 36-Jährige, die ihren Job als Großhandelskauffrau für die neue Tätigkeit an den Nagel gehängt hat, ist ausgebildete Trainerin für tiergestützte Therapie.  Sie bietet Ziegenyoga nicht nru für Erwachsene an, sondern arbeitet zum Beispiel auch mit verhaltensauffälligen oder behinderten Kindern. „Die Ziegen stehen in jeder Stunde sofort im Mittelpunkt, die Teilnehmer vergessen alles um sich herum, jede Angst, jeder Stress fällt von ihnen ab“, sagt Goritschnig.  „Sie haben einfach eine positive Wirkung auf die Menschen, bei jedem Kontakt, bei jedem Streicheln werden Glückshormone ausgeschüttet.“ In jedem Kurs eine zertifizierte Yogalehrerin mit dabei.

Das Leben kann so entspannend sein mit ein paar Ziegen an der Seite. Manchmal verwechseln sie den Rücken der Übenden mit einem Felsen und sind im Nu hinaufgesprungen. Unangenehm? Nein, es fühlt sich eher an wie eine kurze Massage, wie sie da mit ihren kleinen Hufen hin und her tippeln, um die Balance zu halten …

Genuss pur am Faaker See

Doch diese ungewöhnliche sportliche Betätigung ist nur eine Möglichkeit, Kärnten in vollen Zügen zu genießen. Gerade die Region rund um den Faaker See ist ein besonderes Plätzchen.  Das Gebiet im Süden der Alpenrepublik liegt im Drei-Ländereck Österreich-Italien-Slowenien. Man ahnt es schon: In solchen Gegenden isst und trinkt man gern!

Ziegenyoga Österreich

Im Karnerhof ist Hans Melcher ist ein Unikum. Ihm gehört das Hotel mit der langen Tradition direkt am Faaker See. Das Gebäude wurde erstmals 1633 erwähnt. Und der 75-Jährige hat eine besondere Vorliebe. Denn wenn er etwas besonders mag, dann ist es Salatsaucen zu mixen und knackfrisches Grüneug mit einem leckeren Dressing zu versehen. Der Hotelier nämlich liebt gutes Olivenöl und vor allem Balsamico-Essig aus dem italienischen Modena, den er jedes Jahr selbst dort von einem ausgesuchten Hersteller abholt. Und steht jeden Abend im Speisesaal, um in einer großen Schale für jeden Gast, der Lust darauf hat, die Marinade zu fertigen. Das kleine Schauspiel mit Herrn Melcher und seiner großen Schürze vor dem Bauch ist legendär. Und klar, jeder Salat schmeckt so noch mal so gut. Der Herr des Hauses  schmunzelt. „Es ist mit Gefühl, Maß und Intuition zubereitet“, sagt er und fügt hinzu. „Die Blätter dürfen nur benetzt sein,  niemals in der Sauce schwimmen.“ Salatkultur eben!

Ziegenyoga Österreich

Ziegenyoga Österreich

Ziegenyoga ÖsterreichMitunter bietet er kleine Verkostungen mit dem berühmten Aceto balsamico di Modena für die Gäste an und demonstriert, wie ein günstiger Essig mundet und wie rund und voll ein 25 Jahre altes Exemplar den Gaumen betört.

Und weil auf gutes Essen im Karnerhof ohnehin viel Wert gelegt wird, gehört zu dem Vier-Sternehaus neben dem normalen Restaurant auch das mehrfach ausgezeichnete Gourmet-Restaurant Götzlstube. Dort wird feine österreichische Küche aufgetragen, zum Beispiel eine Zucchini-Rose im Zucchini-Sud zum Auftakt, dem eine Sardelle mit Pamesaneis, Spanferkel-Ravioli auf Krautsalat, Wild mit Petersilie – und ein Knödel Tomaten und Ananas folgt, zum Nachtisch.

Ausgezeichnete Küche

Das Lokal gehört zu den besten Kärntens. Und auch der Blick von der Terrasse über den See hat es in sich. Die Aussicht macht Lust, das Gewässer zu erkunden. Schließlich gehört ein Privatstrand zum Hotel und eine Sauna, von der aus man direkt ins kühle Nass springen kann.  Der Faaker See als natürliches Tauchbecken, wohl eines der schönsten der Welt. Überall gibt es kleine Unternehmen, die kulinarische Produkte herstellen. Da ist zum Beispiel die Finkensteiner Nudelfabrik in Gödersdorf. Mit ihren 135 Jahren gehört die Firma zu einem der ältesten Familienbetrieben Kärntens. Katharina Gregori-Salbrechter führt sie in fünfter Generation – mit Leidenschaft. Jedenfalls strahlt sie über das ganze Gesicht, wenn sie Besucher höchstpersönlich durch ihr „Nudelreich“ führt, wie sie es nennt.

Willkommen im Nudelreich

Und ist gar nicht mehr zu stoppen, wenn sie erst einmal ins Aufzählen gerät, was sie so alles zu bieten hat:  Spaghetti, Spiralen, Hörnchen, Muscherl, Ringerl, Band-, Herz- und Suppennudeln, Rigatoni, Makkaroni, Penne, Lasagne, mit Ei, ohne Ei, mit Vollkorn-Dinkel und ohne. Kurzum: Rund 90 verschiedene Nudelsorten weden dort geformt, geschnitten, getrocknet, verpackt. Selbst Schokoladen-, Rote-Beete-, Ingwer- und Chilinudeln sind dabei. Zirka 400 Tonnen Pasta werden in dem Werk pro Jahr hergestellt. Was steckt in der Regel drin? „Hartweizengrieß, Wasser aus den Bergen und Eier von freilaufenden Hühnern“, sagt die Chefin wie aus der Pistole geschossen.

Es ist gegen Mittag, Pasta macht glücklich, also hinein in das Markt Café gleich nebenan, wo Nudeln direkt aus der Fabrik aufgetischt werden. Das ist die Welt von „Ulli“ Fleissner, die Tante der Geschäftsführerin. Mit viel Liebe kreiert sie die ungewöhnlichsten Gerichte. „Jede Sauce, jedes pesto wird täglich frisch zubereitet“, schwört sie. Zum Beispiel Basilium-Ricotta-Pesto, oder solche auf Tunfisch-, Knoblauch- oder Zitronenbasis. Letztes gibt sie gerade über die Maccaroni. Es ist so umwerfend gut, dass die Köchin das Rezept preisgeben muss. „Es besteht aus Basilikum, gutem Olivenöl, ohne Fett gerösteten Pinienkernen, Parmesan, dem Fruchtfleisch und der Schale von Bio-Zitronen“, verrät sie prompt. Und steht Minuten später mit der nächsten Riesenschale da, diesmal mit einer Arabiata-Variante. Auf den Tellern der Kinder tummelt sich derweil eine ganze Tierschar – Zoo-Nudeln. Ach Kärnten, wie sehr kann man hier genießen …