Chili, Koriander, Thai-Vanille

Punkt 9 Uhr, Bangkok. Der Schreibblock liegt blütenweiß vor der Nase. Der Stift ist gezückt. In der Tasse schimmert hellgrün der Tee. „Ich heiße Narain, guten Morgen, ich bin euer Kochlehrer.“ Narain Kiattiyotcharoen sagt das ziemlich zackig in bestem Englisch. Er hat ja auch Programm: In die Geheimnisse von vier thailändischen Gerichten will er uns in den nächsten vier Stunden im Rahmen eines Kochkurses einweihen – in der Oriental Thai Cooking School, der renommierten Kochschule des legendären Mandarin Oriental Hotels in Bangkok. Als „La Grande Dame“ gilt dieses Nobel-Haus, mit Tradition und Stil. Und den hat Narain auch, seinen ganz eigenen. Er beginnt  nicht mit einer Vorspeise. Er beginnt mit dem Nachtisch: Reismehl-Gnocchis in Kokosnuss-Sauce mit schwarzem Sesam. „Das Dessert kocht am längsten“, lautet knapp die Begründung.

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Doch noch bevor er uns die Tür zu der wunderbaren Welt asiatischer Genüsse öffnet, wir an der Thai-Vanille Pandanus schnuppern und den Unterschied zwischen Ingwer und Galgant begreifen, beginnen wir zu ahnen, dass dieser Tag besonders wird. Erst das opulente Frühstück auf der Terrasse dieses Luxus-Hotels am Ufer des Chao Phraya. Dann die Überquerung des Flusses mit dem hoteleigenen Boat-Shuttle zur anderen Seite, wo sich neben Restaurant, Fitness-, Spa- und Wellness-Bereich eben auch die etwas altmodische Kochschule befindet.

Aber old style muss ja nicht schlecht sein. Narain kocht vor. Wir schauen zu. Mit flinken Händen rührt er Reismehl in Kokosmilch. Praktischerweise ist über seinem Kopf ein großer Spiegel angebracht, so dass auch Schüler in der letzten Reihe mitverfolgen können, dass da vorne rein gar nichts anbrennt.

Dann folgen Tom Yam Pla-Suppe, scharf und mit Wolfsbarsch, danach die mit Pilzen gefüllten Salatblätter Miang Hed und das Chili-gewürzte Schweinefleisch-Ragout samt pfeffrigem Basilikum namens Phad Gaprao Moo. Allein drei verschiedene Sorten Basilikum gehören dort hinein, das scharfe, das süße, das limonige. Was es nicht alles gibt. Verführerische Gerüche wabbern über die Notizzettel.

Schon sind wir Schüler an der Reihe. Narain gibt Tipps, lobt, wenn Kaffirblätter „fein wie Haar“ geschnitten sind. Dann wird der Tisch gedeckt, alles gemeinsam verspeist. Zum Abschied gibt es gramm-genaue Rezepte, eine nagelneue Schürze und vier Beutel mit Gewürzen von Koriandersamen bis Gelbwurz. Und ein Zertifikat: Der Kandidat hat sie erfolgreich abgeschlossen, die Oriental Thai Cooking School. Na also! Und Spaß gemacht hat es auch noch. Am liebsten würde man am nächsten Tag gleich noch mal wieder kommen. Könnte man, denn der Schulstoff wechselt von Tag zu Tag. Doch wir müssen weiter.

Aber irgendwann komme ich wieder, denke ich. Denn dieses Hotel ist so eigen, das es irgendwie süchtig macht. Beim Abschied sagt der Portier vorne am Hauptportal leise: „Welcome back soon.“ Er wird schon wissen, warum …

Die Kochkurse finden Montag bis Samstag, 9 bis 13 Uhr, auf Englisch statt. Kosten pro Klasse: ca. 4.000 Baht (rund 100 Euro)
Mandarin Oriental, 48 Oriental Avenue, Bangkok 10500, Thailand
mandarinoriental.com