Zitronen aus Limone

Zitronen aus Limone

Ich liebe ja diese sauren Gelben: Zitronen. Ihr frisches, belebendes Aroma ist einfach wunderbar. Und erst ihr Geruch. Bei einer Stippvisite am Gardasee musste ich also nach Limone. Der kleine Ort in der Lombardei steht ganz im Zeichen dieser Pflanzen. Es ist das Dorf der Zitrusfrüchte.

Zitronen aus Limone

Sie sind dort allgegenwärtig, prangen über Eingangstüren (in Keramik), umranken Hausnummern (auch in Keramik) und sind im Zitronengewächshaus präsent (in Natur). Diese „Limonaia del Castèl“, die im Winter überdacht wird, ist so etwas wie ein Museumsgarten, in dem die Geschichte des Zitronenanbaus in Limone erzählt wird.

Zitronen aus Limone

Zitronen aus Limone

Und die ist lang. Fast 400 Jahre lang. Es sollen Mönche aus Gargnano gewesen sein, die die leckeren Früchte bereits im 13. Jahrhundert aus Genua an den Gardasee gebracht haben. Und seither blühen und gedeihen sie in der Gemeinde am Westufer des Sees. Und haben selbst Besucher wie Johann Wolfgang von Goethe verzaubert.

Zitronen aus Limone

Es war am 13. September 1786, als dieser mit dem Boot an Limone entlang schipperte und notierte: „Der Morgen war herrlich, zwar wolkig, doch bei der Dämmerung still. Wir fuhren bei Limone vorbei, dessen Berggärten, terrassenweise angelegt und mit Zitronenbäumen bepflanzt, ein reiches und reinliches Ansehen geben. Der ganze Garten besteht aus Reihen von weißen viereckigen Pfeilern, die in einer gewissen Entfernung voneinander stehen und stufenweise den Berg hinaufrücken. Über diese Pfeiler sind starke Stangen gelegt, um im Winter die dazwischen gepflanzten Bäume zu decken. Das Betrachten und Beschauen dieser angenehmen Gegenstände ward durch eine langsame Fahrt begünstigt.“

Einst galt Limone als nördlichster Punkt für den Anbau und Export von Zitrusfrüchten im großen Stil, der Handel brachte Arbeit und Wohlstand. Doch das änderte sich im Laufe der Jahrhunderte. Vielerlei Gründe spielten dabei eine, darunter Baumkrankheiten, Konkurrenz aus anderen Regionen, Krieg … In den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts kam die Kultivierung quasi zum Erliegen.

Zitronen aus Limone

Im Jahr 1995 hatte die Gemeindeverwaltung von Limone eine Idee – und besann sich auf ihre Wurzeln. So kaufte sie das Zitronengewächshaus im alten Ortskern, rekultivierte die alten Terrassen, stellte die einstigen Bewässerungskanäle wieder her und pflanzte auf rund 1.600 Quadratmetern Zitrusfrüchte aller Art. Und so kann man dort jetzt die mächtigen Zitronatzitronen bewundern mit ihrer etwas knotigen Haut, Apfelsinen und Blutorangen, Mandarinen und Clementinen, Pampelmusen und Kumquats, dazu alte Gerätschaften und viele Informationen, auch in deutscher Sprache. Herrlich, so ein Rundgang.

Unten dann im Dorf werden Zitronen aller Art angeboten. Und versteht sich, dass wir uns am Abend ein Gläschen Limoncello genehmigt haben …

Zitronen aus Limone